„Wir haben hier im
Landkreis bereits in den ersten sieben Monaten dieses
Jahres so viel Borkenkäferholz wie im gesamten Jahr 2018
eingeschlagen“. Neben der Fichte sei vor allem im
nördlichen Landkreisteil auch die Tanne durch Hitze und
Borkenkäferbefall stark geschädigt. „Seit dem Frühjahr
2018 sind wir Forstleute permanent damit beschäftigt,
befallene Bäume aus dem Wald zu nehmen und noch
stehende Bestände Bäume auf Neubefall zu kontrollieren“,
stellte Inge Hormel dar. Während bis jetzt nur Nadelbäume
die Problemkinder waren, seien nun auch zunehmend
Laubbäume wie die Buche von der Trockenheit betroffen.
Dies betrachten die Forstleute mit Sorge, da die Buche in
unseren Böblinger Wäldern von Natur aus die
dominierende und über Jahrhunderte an die standörtlichen
Bedingungen am besten angepasste Baumart ist.
„Die Forstwirtschaft ist auf lange Zeiträume angelegt“,
weiß Sabine Kurtz. Daher halte sie es für „wichtig, dass wir
die Situation seriös untersuchen und danach mit Bedacht
handeln“. Aktionismus im Wald hält sie jetzt für fehl am
Platz.

Mischwälder sind stabil
Der Wald ist immer auch ein Spiegel seiner Zeit“,
erläuterte Reinhold Kratzer. „Nach dem Zweiten Weltkrieg
z.B. wurde viel Bauholz zum Wiederaufbau der zerstörten
Städte benötigt. Damals wurden die zerstörten Wälder
insbesondere mit Fichten wieder aufgeforstet. Das
Pflanzen von schnell wachsenden Fichten, die ideales
Bauholz liefern, war damals nur logisch. Man stand unter
Zeitdruck und der Holzbedarf war groß.“
Diese Baumart hat aber nur flache Wurzeln und ist anfällig
für den Borkenkäfer. Nach dem Sturm Lothar Ende des
Jahres 1999, der im Landkreis Böblingen einen Schaden
von über einer Million Festmeter Holz verursachte, nutzten
die Forstleute die Gelegenheit, um den Wald breiter
aufzustellen. Denn, so der Kreisforstamtsleiter, „ein
gemischter Wald, der auf vielen verschiedenen Füßen
steht, ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch genau
das Richtige. Dadurch wird der Wald stabil und entwickelt
eine eigene Regenerationsfähigkeit.“

Holz speichert CO2
Inge Hormel erklärte auch, wie wichtig der Wald für die
Eindämmung des Klimawandels ist: „Wachsende Bäume
binden sehr viel CO2. Auch im verbauten Holz bleibt das
CO2 lange gebunden. Verrottet das Holz, entweicht das
CO2 jedoch wieder“. Daher sei es wünschenswert, dass
immer neue Bäume nachwachsen und ein Wald aus
mehreren Generationen bestehe. Junger Wald entstehe
von alleine, durch sogenannte Naturverjüngung.

Naturverjüngung statt Pflanzungen
Das Pflanzen neuer Bäume sei in der hiesigen, dicht
besiedelten Landschaft eher die Ausnahme. „Wir im
Landkreis Böblingen setzen auf das Konzept der
naturnahen Waldwirtschaft mit Mischwäldern aus
überwiegend Naturverjüngung.“ Sabine Kurtz hält diesen
Weg für richtig. Zumal Reinhold Kratzer darauf hinweist,
dass bisher noch nicht erforscht sei, welche Baumarten
wirklich klimatolerant seien. Erste Erfolge seien mit der
Douglasie zu beobachten. Die Landtagsvizepräsidentin
zeigte sich überzeugt, dass unsere Forstwirtschaft gut
aufgestellt ist: „Unsere naturnahe Waldwirtschaft, die auf
viele Baumarten setzt und in langfristigen Zyklen denkt, ist
der Schlüssel zu einem gesunden Wald.“
 
Waldbesitzarten im Landkreis Böblingen
Im Landkreis Böblingen sind ungefähr 35% der Fläche
bewaldet. Unser Wald befindet sich zu drei Vierteln im
Besitz der Gemeinden und Städte. Rund 20% gehören
dem Staat und nur 5% des Waldes sind in privater Hand.
Der Wald ist bei uns überwiegend ein Laub- und
Mischwald. Während im Norden des Landkreises mit 40%
Nadelholz noch mehr Nadelbäume wachsen als im Rest
des Kreises, stehen in den Wäldern des gesamten
Landkreises Böblingen ca. 70% Laubbäume 30%
Nadelbäumen gegenüber.